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Rede von Urs Köthner (akzept e.V.) zum
Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen am 21. Juli 2012 in Frankfurt am Main.


Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Ehre im Namen des Bundesverbandes für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, akzept e.v., im Rahmen des Gedenktages für Drogentote ein paar Worte an diesem denkwürdigen Ort sprechen zu können. Ich arbeite selber seit 17 Jahren als Sozialarbeiter und Suchttherapeut in der Drogenhilfe und habe viele Drogenkonsumenten begleitet und leider auch sterben sehen.

Das wir heute, hier gemeinsam in über 60 Städten in Deutschland und mittlerweile auch in einigen Städten im Ausland an verstorbene Drogenkonsumenten erinnern und ihrer Gedenken, geht auf eine Initiative des NRW-Landesverbandes der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit e. V. zurück. Auslöser war der Tod von Ingo Marten, der am 21.7.1994 unter bis heute nicht geklärten Umständen im Polizeigewahrsam verstarb. Dem beispiellosen Einsatz seiner Mutter ist es zu verdanken, dass in einem Park bei Gladbeck eine „Gedenkstätte für verstorbene Drogenabhängige“ entstand. Dort wurde am 21. Juli 1998 der erste nationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher abgehalten.

Heute finden in über 60 Städten Mahnwachen, Gottesdienste, Infostände und andere Aktionen statt um gemeinsam mit Drogengebrauchern, Angehörigen, Partnern, Freunden, engagierten Mitbürgern und Mitarbeitern der Drogenhilfe an die Drogentoten zu gedenken und für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.

Wir erinnern heute an Menschen, die sonst nur in Statistiken oder Schreckensmeldungen der Presse auftauchen; es geht aber nicht um Zahlen oder Abschreckung. Es geht um konkrete Menschen mit Namen und Gesicht, mit einer Stimme die sie hatten, mit einer ganz eigenen Geschichte, es geht um konkrete Menschen mit Freunden, Partnern, Angehörigen.

Es soll ein Gedenktag sein, um an die Menschenwürde für Drogengebraucher und die Integration abhängiger Personen zu erinnern. Neben den Forderungen zur Verbesserung der Lebenssituation Abhängiger stehen der Respekt und die Integration an diesem Tag im Mittelpunkt. Es geht darum den Drogentoten in den Statistiken wieder Namen und Gesicht zu geben, ihre Geschichten zu würdigen und für mehr Menschenwürde und ein gesundheitspolitisches Primat in der Drogenpolitik zu protestieren. Es ist eben nicht nur ein Gedenktag sondern auch in Protesttag, da viele dieser sogenannten Drogentodesfälle vermeidbar gewesen wären und eher auf das Konto einer verfehlten, weil im Wesentlichen auf Prohibition setzenden Drogenpolitik geht. Wir sprechen daher bei den sogenannten Drogentoten auch eher von Drogenpolitiktoten.

Sie sterben an gepanschten Schwarzmarktdrogen, deren Streckmittel häufig gesundheitsgefährlicher sind als die Drogen selber und welche schwankende, nicht kontrollierte Reinheitsgrade aufweisen und von daher schlecht kalkulierbar in der Dosierung sind.
Sie sterben an HIV, Aids, Hepatitis, infiziert im Knast oder auf der Straße wegen fehlender Möglichkeit sauber und stressfrei zu fixen oder als Folge von Beschaffungsprostitution, unbehandelten Wunden und anderer Krankheiten…

Sie sterben an unterlassener Hilfeleistung bei einem Drogenunfall wegen fehlender Aufklärung oder aus Angst vor der Polizei und Strafverfolgung. Sie sterben im Knast wegen mangelhafter gesundheitlicher Versorgung, Isolation und gehen häufig zerbrochen, zerstört, verzweifelt und einsam vor die Hunde. Sie sterben an der Isolierung, Ausgrenzung, Vereinsamung die durch die Kriminalisierung, Inhaftierung und einem Leben in und mit der Illegalität entsteht und gefördert wird.

Mit zunehmender Dauer einer Abhängigkeit von illegalisierten Drogen geht häufig die soziale und körperliche/ gesundheitliche Verwahrlosung einher. Ein Leben zwischen Beschaffungs- und Verfolgungsdruck, Kriminalität und Prostitution potenziert das Risiko einer HIV- oder/und HEP-Infektion sowie psychischer Erkrankungen bis hin zum Tod.

Die Drogenbeauftragte Frau Dyckmans weiß zu berichten: „Die Zahl der Drogentoten ist im Jahr 2011 um 20 Prozent auf 986 im Vergleich zum Vorjahr (1.237) stark gesunken – damit hat die Zahl den niedrigsten Stand seit 1988 erreicht. Auch wenn jeder Mensch, der aufgrund seines Drogenkonsums stirbt, einer zu viel ist, bestätigt dieser deutliche Rückgang, dass die Drogen- und Suchtpolitik auf einem richtigen Weg ist.“ (Drogen- und Suchtbericht 2012: www.drogenbeauftragte.de)

Dieser niedrige Stand ist in der Tat ein erfreuliches Zeichen, wobei man immer bedenken muss, das diese Zahlen nicht wirklich alle Todesfälle widerspiegeln welche im Kontext von illegalisierten Drogen geschehen. Häufig genug wird der Zusammenhang z.B. bei Suiziden oder Sterben durch Begleiterkrankungen nicht erkannt oder erforscht und bleibt im Dunkeln.

Die trotzdem erfreuliche Zahl ist ein Hinweis darauf, dass sich in der Weiterentwicklung der Drogenhilfe viel getan hat. Die Entwicklung akzeptierender Drogenarbeit, mit den an „harm reduction“, also Schadensminimierung und Überlebenshilfe orientierten Angeboten, ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen und hat die Drogenhilfelandschaft über die letzten 20 Jahre entscheidend geprägt. Wo wären wir heute, hätten wir nicht niedrigschwellige Kontaktläden, Spritzentauschprogramme, Drogenkonsumräume, Substitution, Heroinprogramme u.s.w.

Auch bei den weiterführenden Hilfen ist eine erfreuliche Vielzahl an differenzierten Hilfen entstanden die inzwischen eine bedarfsgerechtere und zeitnahere Vermittlung ermöglichen. In Unna entsteht gerade das erste Altenheim für Drogenabhängige. Bei aller Kritik des Faktischen, muss man sagen, dass wir inzwischen ein gut ausdifferenziertes, vielfältiges Netz an zielgruppenspezifischen Angeboten in der Drogenhilfe entwickelt haben, welche immer bedarfsgerechter werden.

In der Tat, hier hat eine positive Entwicklung in der Drogenhilfe stattgefunden, die von vielen engagierten Menschen getragen wird und die täglich Leben rettet und das Überleben sichert. Wäre dem nicht so, dann könnten wir heute wahrscheinlich hier gar nicht stehen an diesem denkwürdigen Ort. Man denke an die verheerenden Zustände in diesem Park in den ‚80/90’er Jahren.

Diese erreichte und noch ausbaubare Vielfalt der Drogenhilfeangebote ist allerdings auch schon wieder, immer wieder bedroht, da viele Angebote am untersten Level der Personalbesetzung und Finanzierung arbeiten und häufig immer weniger reale Zeit für den Klienten bleibt. Drogenhilfe scheint gegenwärtig in bürokratischen Auflagen, standardisierten Datenerhebungsverfahren, Qualitätssicherungsabläufen und Rahmenzielvereinbarungen zu ersticken. Die finanzielle Krise in den Kommunen, dem Land und im Bund führen zu kontinuierlichen Kürzungen im Suchthilfebereich. (Vgl.: Dr. Wolfgang Schneider: Ökonomisierung, Qualitätssicherung, Kundenorientierung und soziale Kontrolle: Wohin führt der Weg der Drogenhilfe?)

Bei manchen ist es dann das Tröpfchen zuviel an Auflagen oder Kürzungen und bedeutet dann das Aus für wichtige zielgruppenspezifische Angebote. Dies können wir gerade z.B. bei den Auswirkungen der Instrumentenreform der Agentur für Arbeit sehen, wodurch viele Arbeits- und Beschäftigungsprogramme in der Suchtkrankenhilfe trotz deutlicher Erfolge, vor dem aus stehen oder massiv eingeschränkt werden müssen. Das ganze, vorbildlich ausgebaute und ausdifferenzierte Drogenhilfenetz wird so zunehmend Löcher aufweisen und seine Vielfalt verlieren.(akzept e.V.: Stellungnahme zur Arbeitsmarktpolitik, 2012). Die Finanzkrise im Bund, den Ländern und der Kommune machen diesbezüglich nicht gerade Mut.

Wer im Suchtbereich nachhaltig sparen will, muss nicht an einzelnen Projekten oder Maßnahmen herumschneidern, sondern das grundsätzliche System weiterentwickeln. Hier ist die eine Ebene, die Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung der Drogenhilfe¬angebote nach evidenzbasierten Kriterien, zumindest in Ansätzen geschehen. Was vor allem fehlt, ist die rechtliche Weiterentwicklung, die endlich den Verkehr und den Handel mit Drogen reguliert statt nur teuer und aufwendig und mit erheblichen Kollateralschäden zu verbieten. Immer noch sind ein großer Teil der Todesfälle und Schädigungen die wir teuer rehabilitieren müssen politikinduziert, d.h. sie sind primär auf eine im Wesentlichen auf Prohibition setzenden Drogenpolitik zurückzuführen und haben nur sekundär mit den konsumierten Drogen zu tun.

Die Einführung der Legalisierung hieße nicht „Drogen außer Kontrolle“ sondern das Gegenteil: „Drogen unter Kontrolle“. Um es mit den Worten unseres ersten Vorsitzenden von akzept e.V., Prof. Dr. Heino Stöver, zu sagen: „Wir fordern einen Neustart: Für eine menschenwürdige, rationale und evidenz-basierte Drogenpolitik!"

Wir könnten natürlich immer so weiter machen wie bisher: die Verkäufer und Konsumenten „alter illegaler Drogen“ strafrechtlich verfolgen, den Umgang mit „neuen“ Drogen verbieten und unter strafrechtliche Kontrolle stellen und die Verkäufer und Konsumenten wieder verfolgen usw.

Eine Endlosschlange….Aber zu Ende gedacht: Würden wir die Strafverfolgung intensivieren, vielleicht auch irgendwann mit (para-) militärischen Mitteln durchsetzen wie jetzt in Mexiko? Vielleicht wäre das sogar ein Weg – wenn er denn wenigstens erfolgreich wäre! Aber die hehren Vorsätze, die Milleniumsziele der UN-Organisationen, den Drogenkonsum zu eliminieren oder doch die Drogenmärkte zu verkleinern sind kläglich gescheitert.

Allein der „Drogenkrieg“ (eher Drogenprohibitionskrieg) in Mexiko hat seit 2006 über 50.000 Menschen das Leben gekostet – viele andere Tote, Verletzte, Hinterbliebene, zerstörte Familien in anderen amerikanischen Ländern kommen hinzu. Und dieser Drogenkrieg ist nicht begrenzt auf Lateinamerika oder gar Mexiko – dieser Krieg hat – wie eben die Prohibition globale Ausmaße angenommen. Produktions/Transit und Konsumentenländer sind nicht mehr voneinander trennbar: Abhängige, Gewalt, Mafia, Händlerstrukturen wirken auf allen Ebenen – damit einhergehend Korruption bei den Strafverfolgungs-/Vollzugsbehörden, Aushöhlungen von Grund- und Menschenrechten, Erosion des Rechtsstaates und seiner tragenden Organe (Polizei, Gerichte) und schließlich schleichender Abbau demokratischer Strukturen.

Also, wie wäre es wenn wir so weitermachen würden wie bisher, einmal konsequent zu Ende gedacht: Würden wir „amerikanische Verhältnisse“ bekommen? Würden wir mit stärkerer Aufrüstung der Polizei mehr Erfolge haben? Würden wir vielleicht am Ende sogar Militär einsetzen wollen? Mehr Grundrechte einschränken? Können wir noch mehr Drogenumgangsformen kriminalisieren? Verschärfte Grenzkontrollen einführen?

Fast eine Viertel Million Betäubungsmitteldelikte (die meisten davon sog. Konsumentendelikte in Bezug auf Cannabis!) werden jährlich von der Polizei erfasst (etwa 4% aller Straftaten im Jahre 2011 in Deutschland) – würde eine halbe oder eine ganze Million sogenannter „Rauschgiftdelikte“ den „Erfolg der Prohibition“ beweisen? Können wir uns diese Drogenpolitik überhaupt leisten?

NEIN! Schon jetzt wird deutlich, dass diese Politik enorm teuer ist, wenn wir uns die Ausgaben ansehen: Vergleicht man die Kosten für „Repression“ mit den Ausgaben für „Hilfen“ zeigt sich ein schreckliches Bild: 60 – 70 % der Mittel die die öffentliche Hand im Bereich „illegale Drogen“ ausgibt, werden für die „Repression“ aufgewendet und nur 30-40 % für den Bereich der Hilfen. Etwa 10 Prozent der gesamten Staatsausgaben für den Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung weisen einen Bezug zu illegalen Drogen auf. Die Prohibition ist also nicht nur schädlich und kontraproduktiv, sie ist auch noch teuer. Hier werden Steuergelder verschleudert welche bei der Absicherung und Weiterentwicklung von Hilfsangeboten fehlen.

Die Prohibition hat mehr Schäden angerichtet als sie zu verhindern vorgibt. Wir haben seit langem ein massives Drogenpolitikproblem! Man muss mehr Angst haben vor den Folgen der Prohibition als vor den Folgen der Drogen selbst! Wir dulden die Existenz, die Gewalt, die Anarchie und die Dynamik des Drogenschwarzmarktes – zu Lasten eines Verbraucher und Jugendschutzes.

Und selbst die Polizei glaubt nicht wirklich, dass sie eine Angebotsreduktion durchführen kann. Weit weniger als 5% der auf den Markt geworfenen Drogen konfisziert die Polizei. Unterbrochene Handelsrouten werden umgehend neu erfunden, drakonische Strafen, selbst Körper- und Todesstrafen (wie z.B. im Iran) schrecken nicht ab. Zu groß, zu verführerisch die Aussicht auf das prohibitionsbefeuerte „schnelle Geld“, das „große Ding“ - oder einfach nur das Überleben. Was denn noch?

Die internationalen Bemühungen, den weltweiten Drogenmarkt über Verbote einzudämmen sind, gemessen an den Zielvorstellungen, nicht nur nicht erfolgreich gewesen, sondern die Potentierung der Gefahren durch die Prohibition sind inzwischen evidenzbasiert nachweisbar und durch viele Zahlen und Studien belegt.

Es ist also höchste Zeit sich intelligente Modelle der Drogenkontrolle und -regulation zu überlegen. Wir sollten wenigsten versuchen den Markt zu regulieren! Die gegenwärtige Drogenpolitik unternimmt noch nicht einmal einen Versuch der Regulation: Strafandrohungen der Verfolgungsbehörden und Verhaltensappelle der Hilfeleister stellen nicht wirklich einen Versuch der Regulierung eines offenbar gewünschten Drogenangebots dar. Beide Instanzen sind lediglich Symbolträger eines Scheiterns, das nicht ausgesprochen werden darf.

Was sind intelligente Modelle der Regulation des Drogenmarktes? Wir fangen nicht bei Null an: Bei legalen Substanzen bekannte, eingeführte und bewährte Modelle können wir auf Regulierungen für jetzt noch illegale Drogen übertragen. In einer Gesellschaft hoher Regulierungsdichte erscheint diese Drogenpolitik ohnehin immer stärker als eine anachronistische, symbolische, Ausnahmepolitik, die offenbar (noch) gebraucht wird, sozialpsychologisch (noch) ihre Funktion erfüllt, die aber bei Lichte betrachtet nicht effizient ist, und es nie war! In Deutschland – wie in vielen anderen Ländern – geben wir uns noch der Illusion hin, nur durch „gute Suchtkranken- und Gefährdetenhilfe“ sei das Drogenproblem zu lösen.

Dabei existieren Repression und Hilfe nicht friedlich nebeneinander: Beides gehört zusammen, beeinflusst und verformt sich gegenseitig, die rechtlich, gesundheitlich, sozialen Folgen der Strafverfolgung spürt jeder Konsument einer illegalisierten Droge. Vor allem die Abhängigen: Prostitution, Diebstahl, Gewalt, Gefängnis/Maßregelvollzug, Ausgrenzung, Psychiatrie, Therapie statt/als Strafe, Verlust des Arbeits- und Ausbildungsplatzes, Schulverweis, – all dies sind nur Schlaglichter der Dimensionen des Unglücks Betroffener, deren Partner und Angehöriger.

Wir brauchen also einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs über alternative Wege, wie wir Kontrolle über einen völlig deregulierten, raubtierkapitalistischen Markt bekommen können. Alte Wege (mit bekannten Kontrollgesetzgebungen), neue Wege mit noch zu schaffenden Kontroll- und Vertriebsmechanismen. Dies ist der erste Schritt für eine Drogenpolitik nach dem „Krieg gegen die Drogen“ – eine Art „Jalta Konferenz“ des „War on Drugs“, die den sich abzeichnenden Kollaps als Startpunkt für eine Drogenpolitik nimmt, die Menschenwürde, Gesundheitsschutz und Glaubwürdigkeit in den Fokus nimmt, und nicht mit ausschließlich repressiven Mitteln vorgibt den Umgang mit den Substanzen reduzieren zu können.

Es ist ein Weg, der zudem auf evidenzbasierter Wissenschaft, und nicht auf Glauben und Moral gründet und eine Konsistenz der Drogenpolitik als Leitgedanken trägt. Die „Global Commission on Drug Policy (GCDP)” hat mit ihrem Bericht einen Meilenstein gesetzt, welche Schlüsse aus dem globalen Versagen der Begrenzung des weltweiten Drogenmarktes und seinen negativen Konsequenzen zu ziehen sind. "Zukünftig wird die Drogenpolitik einen erheblich höheren Stellenwert in unserer Gesundheits-, Sozial-, Finanz-, aber auch in unserer Entwicklungshilfepolitik einnehmen müssen.“ (Prof. Dr. Heino Stöver: Vorwort in: „Nach dem Krieg gegen die Drogen: Modelle für einen regulierten Umgang“, Hrsg: akzept e.V. 2012)

In diesem Sinne möchte ich an diesem Tag auch insbesondere der 50000 Toten in dem seit 2006 anhaltenden Drogenkrieg in Mexiko gedenken. Mit unserer Verbotspolitik sind wir mitverantwortlich für die Zustände und Probleme in den Produzenten- und Transitländern und beispielsweise im Drogenkrieg in Mexiko sind wir sogar direkt beteiligt, durch die Waffenlieferungen deutscher Hersteller.

Angesichts dieser Ausmaße und dem fundierten Wissen das wir heute über die Auswirkungen der Prohibition haben, ist es an der Zeit das schreiende Unrecht welches an Drogengebrauchern und Abhängigen begangen wird zu beenden und sich endlich um eine Regulierung der Märkte zu kümmern.

Hier ist die Politik gefordert, aber auch insbesondere die Drogenhilfe. Die Auswirkungen und Potenzierung der Gefahren durch die Prohibition auf die Gesundheit der Hilfesuchenden sind uns tagtäglich präsent. Wir sollten uns nicht darauf beschränken das Überleben zu sichern und den Ausstieg zu organisieren sondern müssen die Gründe für Schädigungen auch ursächlich angehen und die Zustände auch deutlich benennen. Drogensozialarbeit muss wieder politischer werden, um einer Verelendung und Ausgrenzung von Drogenkonsumenten entgegen zu wirken und Drogentodesfälle vermeiden zu helfen.

Wenn wir alle, jeder an seinem Platz, dazu beitragen, das die politischen Rahmenbedingungen deutlich werden und sich entsprechend verändern ist das sicherlich ein würdiges Gedenken an die Verstorbenen.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit

Urs Köthner
2. Vorsitzender von akzept e.V.

www.akzept.org
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Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen
21. Juli 2012 - Frankfurt am Main
Bundesweiter Aufruf 2012: "Dogenlegalisierung = Drogenkontrolle“
Infos zum Gedenktag in Frankfurt am Main
Fotos: Infostände, Aktionen, Trauerzug, Reden, ...
Redebeitrag von Rosemarie Heilig (Dezernentin für Umwelt und Gesundheit)
Redebeitrag von Urs Köthner (akzept e.V.)
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